
Liebe Leserin, lieber Leser,
einfach auf “Reset” drücken, und alles ist wieder in Ordnung. Was bei einem elektronischen Gerät wie einem Laptop oder einem Smartphone so einfach ist, ist im Leben überhaupt nicht einfach. Fehler in einer Beziehung wiedergutzumachen, eine Krankheit zu überwinden und wieder gesund zu werden, einen verstorbenen lieben Menschen wieder bei sich zu haben: Dafür und für vieles andere im Leben gibt es keine Reset-Taste.
Und wie sehr wünschen wir uns, dass es eine Reset-Taste für die Zustände in der Welt gäbe! Dass es auf einmal alles wieder gut wäre: in der Ukraine, in Gaza und Israel, im Sudan und in vielen anderen Orten. Oder, dass Polarisierung und Extremismus überwunden wären und die Menschen miteinander ins Gespräch kämen. Oder, dass die Menschheit verantwortungsvoller mit der Schöpfung umginge. Jedoch gibt es auch hier keine Reset-Taste. Die tiefe Sehnsucht nach einem neuen Leben ohne Ungerechtigkeit, Leid und Tod gehört zu unserer Existenz als Menschen. Und auch die bittere Erkenntnis, dass Vieles nicht einfach oder kaum zu ändern ist.
„Siehe, ich mache alles neu”: diese Worte hat ein Mensch gehört, der auch voller Sehnsucht war. Der Apostel Johannes und mit ihm viele andere Christinnen und Christen sehnten sich nach einem neuen Leben und einer neuen Welt. Wegen ihres Glaubens vom römischen Imperium verfolgt, hofften sie darauf, dass Jesus Christus als Weltrichter wiederkommt und Ungerechtigkeit, Leid und Tod ein für alle Mal ein Ende setzt. In einer Vision sah Johannes, wie Gott in die Welt kommt und sein Zelt bei den Menschen aufschlägt. Und da, wo Gott wohnt, da wird alles neu: “Und er wird bei ihnen wohnen… und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen“. (Off 21, 3-5)
In seinem Evangelium beschreibt der Apostel Johannes die Geburt von Jesus Christus, die wir bald wieder feiern werden, mit diesen Worten: “Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit” (Joh 1, 14). In dem Kind in der Krippe hat Gott sein Zelt unter uns Menschen bereits aufgeschlagen. Er ist einer von uns geworden, damit er unter uns sein kann. Am Kreuz hat er unser Schicksal von Schuld und Tod getragen und in seiner Auferstehung hat er einen neuen Anfang gemacht. Das, was Gott durch seinen Sohn angefangen hat, wird er am Ende der Zeiten vollenden.
“Siehe, ich mache alles neu”: Die Jahreslosung für 2026 ist die Einladung, auf Gott zu vertrauen und auf eine gute Zukunft für uns und diese Welt zu hoffen. Die Jahreslosung ist ein kraftvolles Wort gegen Entmutigung und Hoffnungslosigkeit in einer Zeit multipler Krisen und verbreiteter Zukunftssorgen. Sie ist aber kein billiger Trost und auch keine Entschuldigung für Passivität angesichts der Herausforderungen unserer Zeit. Gott erneuert uns schon jetzt, damit wir diese Welt durch die Nächstenliebe erneuern können. Wie es im Lied “Wenn das Brot, das wir teilen” von Claus-Peter März in der 2. Strophen heißt: “Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt, und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut’ schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt.”
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen/Euch gesegnete Weihnachten und ein gutes neues 2026!
Ihr/Euer
Pfarrer Dr. Joao Carlos Schmidt
Superintendent der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden
Pfarrer der Gemeinde Karlsruhe